DocMorris

E-Rezept – Überholspur für Versandapotheken?

Vor 20 Jahren mischte DocMorris den Apothekenmarkt als Arzneimittelversender auf. Mit der Einführung des elektronischen Rezepts werde das Geschäft neu durchstarten, prognostiziert Konzernchef Walter Oberhänsli.

Von Christiane Oelrich Veröffentlicht: 25.04.2019, 05:21 Uhr
E-Rezept – Überholspur für Versandapotheken?

Pille per Klick – das E-Rezept soll 2020 kommen.

© igorkol_ter / stock.adobe.com

FRAUENFELD. Die niederländische Versandapotheke DocMorris will stationären Apotheken nach Einführung elektronischer Rezepte erheblich Geschäft abjagen. Während Patienten heute erst 1,3 Prozent aller verschreibungspflichtigen Medikamente in Versandapotheken bestellen, könnte deren Anteil mit E-Rezepten schnell auf zehn Prozent steigen, sagte der Chef der Schweizer DocMorris-Mutter Zur Rose, Walter Oberhänsli, der Deutschen Presse-Agentur.

Derzeit ist die Rezepteinlösung im Versandhandel noch eine umständliche Angelegenheit und deshalb der Marktanteil der Versender im Rx-Geschäft gering. Patienten müssen die Rezepte postalisch einschicken, teilweise zusätzlich auch noch Fragebögen der Versandapotheke ausfüllen.

Mit dem E-Rezept, das nach den Gesetzgebungsplänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn 2020 flächendeckend eingeführt werden soll, würde sich das ändern. „Dann ist die Versandapotheke nur noch einen Klick entfernt“, so Oberhänsli.

Zuwachs auch ohne Rezept-Boni

„Wir werden uns dafür einsetzen, dass das E-Rezept schnell und flächendeckend umgesetzt wird, weil dann die Chance wächst, dass der Kunde bei uns kauft statt in einer stationären Apotheke.“ Oberhänsli erwartet, das Spahns „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“ (GSAV), in dem das E-Rezept ein Bestandteil ist, noch vor der diesjährigen Sommerpause verabschiedet wird.

Im Idealfall, so Oberhänsli, könnten dann nach einem Jahr alle Ärzte elektronisch Rezepte ausstellen und alle Apotheken diese Rezepte auslesen.

Reibungslos im Sinne der Versender dürfte das freilich nur dann funktionieren, wenn die Patienten technisch in der Lage sind, die Distribution ihrer Rezeptaufträge selbst zu erledigen: Oberhänsli dringt deshalb darauf, dass das E-Rezept nicht erst auf dem Chip in der Gesundheitskarte gespeichert wird. Nur dann kann es unmittelbar nach Ausstellung direkt an eine Apotheke oder eine Versandapotheke weitergeleitet werden.

Von Spahns Absicht, mit einem weiteren Gesetzesvorhaben („Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken“) Rezeptboni zu verbieten, indem öffentlichen Apotheken sozialrechtlich verpflichtet werden, sich an die Rx-Preisbindung zu halten, ist der Zur-Rose-Chef weniger begeistert. Oberhänsli: „Wenn Apotheker darauf bestehen, dass alle gleich lange Spieße haben, könnte man ja allen solche Boni gestatten, statt sie zu verbieten.“

Jedoch rechnet er damit, dass die Versandapotheken auch ohne Preisvorteil im Rezeptgeschäft Marktanteile durch das E-Rezept gewinnen, einfach weil Kunden den Komfort einer Online-Bestellung schätzten. In der Schweiz und in Schweden, wo es das E-Rezept schon gibt, liege der Anteil des Online-Handels bei zehn Prozent. „Es spricht nichts dagegen, dass es in Deutschland auch in die Richtung geht“. In Schweden sei der Marktanteil in vier Jahren erreicht worden.

Marktplatz à la Amazon

Zur Rose hat eine E-Rezept-Technologie entwickelt, die gerade mit der TK ausprobiert wird. Ob sich dieser Standard durchsetzen wird oder ein anderer, sei ihm aber egal, versichert Oberhänsli. „Ich möchte ja gar nicht auf meinem Grabstein stehen haben: Er hat Deutschland mit dem elektronischen Rezept beglückt.“

Nach der jüngsten Übernahme der Versandapotheke Medpex, offiziell zu Anfang dieses Jahres, seien nun keine weiteren Zukäufe geplant. „Wir wollen unseren Marktanteil im Versandgeschäft von über 30 Prozent verteidigen.“ Dazu gehöre auch das OTC-Geschäft. Im Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten halte die Zur-Rose-Gruppe bereits 40 Prozent. „Da wird die Luft schon dünn, das noch auszubauen.“

Apotheker sind zwar nicht gut auf DocMorris zu sprechen, doch Oberhänsli umgarnt sie jetzt mit einem neuen Marktplatz-Projekt. „Wir haben in Spanien die Firma Promofarma gekauft, die einen Marktplatz ähnlich wie Amazon betreibt, und sie arbeitet schon mit 700 Apothekern zusammen. Das ist ein Modell, das uns auch für Deutschland vorschwebt.“

In Spanien stünden die Apotheker Schlange, um mitzumachen, sie hätten Umsatzzuwächse von 20 Prozent. Kunden können auf der Plattform nach OTC-Produkten, Nahrungsergänzungsmitteln oder Kosmetika suchen und Preisangebote etlicher Apotheken vergleichen. Die Auslieferung übernimmt die Plattform. Zur Rose verdiene an jedem Kauf mit. In Deutschland könne das Projekt 2020 starten, so Oberhänsli. (dpa/cw)

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