Ärzte Zeitung, 03.09.2007

Früher Therapiestart lohnt sich für Alzheimer-Patienten

Erfolge wie bei frühem Therapiestart lassen sich bei spätem Beginn nicht mehr erreichen

FRANKFURT/MAIN (hbr). Wenn Alzheimer-Patienten frühzeitig mit einem Cholinesterase-Hemmer behandelt werden, bleiben ihre kognitiven Fähigkeiten und Alltagsfunktionen länger auf einem besseren Stand als bei spätem Start. Die Therapie sollte deshalb direkt nach der Diagnose beginnen.

Steht die Diagnose Alzheimer bei einem alten Patienten, sollten Ärzte mit der Therapie nicht lange zögern. Foto: klaro

Dafür sprechen die Daten einer Studie mit über 200 Patienten. Demnach sichert der frühe Start einen therapeutischen Vorsprung, der den Patienten auf Dauer erhalten bleibt. Zwar bremst auch ein späterer Therapiebeginn den geistigen Abbau. Der entstandene Zeitverlust lässt sich aber offenbar nicht mehr wettmachen, wie Privatdozent Dr. Martin Haupt vom Düsseldorfer Neuro-Centrum berichtet hat. Denn die kognitive Leistungsfähigkeit blieb immer unterhalb des bei früher Therapie erreichten Niveaus, sagte Haupt bei einer Veranstaltung von Eisai und Pfizer in Frankfurt am Main.

In der Untersuchung erhielten die über 200 Patienten mit leichter bis moderater Alzheimer-Demenz täglich 10 mg des Cholinesterase-Hemmers Donepezil (Aricept®). Verglichen wurde in der Studie die kontinuierliche Donepezil-Therapie über drei Jahre mit einer verzögert einsetzenden Behandlung. Im zweiten Fall erhielten die Teilnehmer im ersten Jahr nur Placebo.

Der frühere Start brachte deutliche Vorteile: Die im Mini-Mental-Status-Test (MMST) ermittelte geistige Leistungsfähigkeit blieb in der Frühstarter-Gruppe im ersten Jahr stabil. Erst danach schritt der Verlust wieder fort. In der Placebo-Gruppe dagegen erfolgte bereits ein kontinuierlicher Abbau (im Schnitt minus zwei bis drei Punkte auf der MMST-Skala).

Der Start der Donepezil-Einnahme im zweiten Jahr brachte den Patienten zwar ebenfalls eine mehrmonatige Stabilisierung. Der Vorsprung der Frühstarter blieb aber erhalten: Die Frühstarter schnitten nicht nur im ersten Jahr, sondern auch nach drei Jahren noch signifikant besser ab (minus 4,9 versus minus 6,2 MMST-Punkte).

Mit der Behandlung von Alzheimer-Patienten dürfe deshalb auf keinen Fall gewartet werden, bis sich ihre Fähigkeiten weiter verschlechtern, sagte Haupt. In den Endphasen der Krankheit, mit Bettlägerigkeit und Kommunikationsverlust, seien Cholinesterase-Hemmer aber nicht mehr hilfreich.

STICHWORT

Cholinesterase-Hemmer

Donepezil, Rivastigmin und Galantamin erhöhen die Konzentration von Acetylcholin im Gehirn, indem sie das Enzym Acetylcholinesterase blockieren. Acetylcholin ist nötig für die Gedächtnisbildung. Im Gehirn von Alzheimer-Patienten wird zu wenig des Neurotransmitters produziert. Cholinesterase-Hemmer sind bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz Arzneien der ersten Wahl. Sie können die kognitive Leistung vorübergehend stabilisieren oder verbessern. (hbr)

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