Kinderrheuma

Großer Erfolg mit modernen Therapien

Kaum noch künstliche Gelenke, seltener Kleinwuchs, weniger Begleiterkrankungen: Kinder mit Gelenkrheuma profitieren stark von einer frühen (Biologika-) Therapie.

Von Philipp Grätzel von GrätzPhilipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Bei Kinderrheuma gilt es, die Therapie so früh wie möglich zu beginnen.

Bei Kinderrheuma gilt es, die Therapie so früh wie möglich zu beginnen.

© Hospach / Huppertz, Z Rheumatol

BERLIN. Etwa eines von tausend Kindern in Deutschland erkrankt an juveniler idiopathischer Arthritis, meist JIA oder auch "Kinderrheuma" genannt. Typischerweise beginnt die Erkrankung zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr. Nicht immer, aber oft, bleiben die Gelenkbeschwerden den Betroffenen ein Leben lang erhalten.

Seit der Jahrtausendwende habe sich die Behandlung bei JIA stark verändert, betonte Professor Kirsten Minden vom Deutschen Rheumaforschungszentrum in Berlin. Hoch wirksame, krankheitsmodifizierende Therapien, zu denen neben Methotrexat vor allem Biologika zählen, kommen früher zum Einsatz, wenn sich anders keine rasche Remission erreichen lässt.

Im Vorfeld des 45. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, der kommende Woche in Stuttgart stattfindet, präsentierte Minden eine Auswertung des deutschen JIA-Registers JuMBO, die zeigt, wie sich die Langzeitprognose von Kindern mit JIA in den letzten 17 Jahren durch diese Neuerungen im Therapieparadigma verändert hat. Die Daten basieren auf rund 1200 Patienten mit JIA, die bis ins Erwachsenenalter begleitet wurden.

"Vor zehn Jahren hatte mehr als die Hälfte der Patienten mit JIA im jungen Erwachsenenalter Funktionseinschränkungen", so Minden. Heute sei es nur noch etwa ein Drittel der Patienten. Der Anteil der Patienten mit Komplikationen von Erkrankung und Medikation oder mit Begleiterkrankungen geht ebenfalls zurück: Kleinwuchs im Erwachsenenalter trat noch vor zehn Jahren bei etwa fünf Prozent der JIA-Patienten auf. Heute sind es 0,5 Prozent. Auch die für die Patienten sehr belastende Uveitis ist deutlich seltener als früher. Und die Rate der JIA-Patienten, die bereits zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr einen Gelenkersatz benötigen, sank von über sieben auf unter zwei Prozent. "Insgesamt gehen die Patienten mit einer immer besseren Lebensqualität in ihre 20er", betonte Minden, die das eindeutig auf eine frühere und effektivere Therapie zurückführt. "Der Beginn einer Therapie mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten entscheidet über die Langzeitprognose", so die Expertin.

Patienten, die früh behandelt würden, hätten später weniger funktionelle Einbußen und erreichten häufiger eine medikamentenfreie Remission. Auch das lässt sich anhand von JuMBO-Daten mit Zahlen unterfüttern: Jeder fünfte JIA-Patient, der in den ersten beiden Krankheitsjahren krankheitsmodifizierende Medikamente erhalte, sei als junger Erwachsener in therapiefreier Remission. Dauere es zwei bis fünf Jahre bis zur krankheitsmodifizierenden Therapie, seien es nur zehn Prozent, bei mehr als fünf Jahren nur noch fünf Prozent der Patienten.

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