Neue Antidiabetika mobilisieren die Insulin-Reserven im Pankreas

Beim Welt-Diabetes-Kongress in Kapstadt ist wieder deutlich geworden: die Forschung zu neuen Arzneien für Typ-2-Diabetiker trägt Früchte. Mit den neuen Wirkstoffen wird etwa Glukose-abhängig die Insulinproduktion stimuliert.

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In Deutschland zugelassen ist das GLP-1-Analogon Exenatide (Byetta®). Das Akronym steht für Glucagon-like Peptide-1, ein Darmhormon, das nach Aufnahme von Kohlenhydraten sezerniert wird und die Insulinausschüttung verbessert. Zudem bremst das Hormon die Sekretion von Glukagon und so die Glukosefreisetzung aus der Leber: der Blutzucker-Anstieg nach dem Essen wird gehemmt.

Inkretin-Mimetika verringern auch das Körpergewicht

Das erste Inkretin-Mimetikum Exenatide ist zur Therapie von Patienten mit Typ-2-Diabetes zugelassen, und zwar in Kombination mit Metformin und/oder einem Sulfonylharnstoff, wenn mit beiden Medikamenten keine angemessene Blutzuckerkontrolle möglich ist. In Studien konnte belegt werden, dass das subkutan injizierte Medikament den HbA1c-Wert so wirksam wie Insulin senkt, ohne Unterzuckerungen hervorzurufen.

Zu diesen Studien gehört etwa eine mit mehr als 500 Typ-2-Diabetikern, die trotz Therapie mit Metformin und einem Sulfonylharnstoff einen HbA1c-Wert zwischen 7 und 10 Prozent hatten. Behandelt wurden die Patienten mit Exenatide oder dem Mischinsulin AspartMix (enthält das schnellwirkende Analogon Aspart und ein langwirksames Insulin. In Deutschland ist ein entsprechendes Präparat NovoMix® auf dem Markt). Einen HbA1c-Wert unter 7 Prozent erreichten 32 Prozent der Teilnehmer mit Exenatide und 24 Prozent mit Insulin. Ein ähnlicher Erfolg wurde in einer ebenso großen Studie im Vergleich mit Insulin glargin erreicht.

Das zweite Inkretin-Analogon ist Liraglutide, das in einer Placebo-kontrollierten Phase-II-Studie über 14 Wochen den HbA1c-Wert um im Mittel 1,7 Prozentpunkte gesenkt hat. Ausgangs-HbA1c-Werte lagen zwischen 8,1 und 8,5 Prozent. An der Studie hatten 165 Typ-2-Diabetiker teilgenommen, die zuvor Diät gehalten oder ein orales Antidiabetikum eingenommen hatten. Als Monotherapie wurde Liraglutide zweimal täglich subkutan verabreicht. Wie bei der Therapie mit Exenatide kommt es bei einer Therapie mit Liraglutide, derzeit in Phase III der klinischen Prüfung, zur Gewichtsabnahme.

Statt die Wirkung von GLP-1 für die Therapie mit einem Analogon nachzuahmen, lässt sich ein insulinsteigernder Effekt auch erzielen, indem der enzymatische GLP-1-Abbau verhindert wird. In den USA bereits zugelassen ist Sitagliptin, das das Enzym Dipeptidyl-Peptidase-4 (DPP-4) hemmt. Folge: die GLP-1-Spiegel sind höher als ohne die Enzymhemmung. Zugelassen ist Sitagliptin als Monotherapie und zusammen mit Metformin oder Glitazonen, wenn der Blutzucker durch Änderung des Lebensstils nicht ausreichend gesunken ist. Die EU-Zulassung wird für das erste Halbjahr 2007 erwartet.

HbA1c-Wert bei mehr Patienten mit Kombitherapie gesenkt

In einer beim Welt-Diabetes-Kongress vorgestellten Studie mit fast 1100 Patienten sank in der Therapie-Gruppe mit Sitagliptin plus Metformin der um den Placebo-Wert korrigierte HbA1c-Wert um 2,1 Prozentpunkte, mit Metformin allein nur um 1,3 Prozentpunkte. Ein HbA1c-Wert unter 7 Prozent wurde bei 66 Prozent der Patienten in der Kombi-Gruppe erreicht, in der Vergleichsgruppe dagegen nur bei 38 Prozent.

Der zweite DPP-4-Hemmer, Vildagliptin, ist in der klinischen Entwicklung weit fortgeschritten. In einer Studie mit mehr als 70 Typ-2- Diabetikern mit einem HbA1c-Wert von etwa 8 Prozent ließ sich der Wert um 0,6 Prozentpunkte verringern. Die Zulassung in Deutschland wird Anfang 2008 erwartet. (ple)



Wie sich Insulin ankurbeln lässt

Zu den im Darm gebildeten Inkretinen gehören GLP-1 (Glucagon-like Peptide 1) und GIP (Glucose-dependent insulinotropic peptide). Sie werden freigesetzt, wenn der Blutzucker-Spiegel steigt. Die Hormone stimulieren die Insulin-Produktion im Pankreas und hemmen die Glukose-Produktion in der Leber. Bei Typ-2-Diabetikern wird bei gleichem Stimulus weniger Inkretin freigesetzt als bei Gesunden. Das können GLP-1-Analoga und Hemmstoffe des Enzyms Dipeptidyl-Peptidase 4 kompensieren, das GLP-1 abbaut.(eb) 

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