Neues orales Antidiabetikum fördert physiologische Insulin-Ausschüttung

WIESBADEN (mal). Eine bequeme orale Therapie ohne Gewichtszunahme und ohne Hypoglykämien - das könnte für Diabetiker mit Sitagliptin möglich werden. Sitagliptin wirkt, indem es den Abbau von Inkretinen hemmt. Das sind im Darm gebildete Hormone, die den Blutzucker-Spiegel regulieren - auch dadurch, daß sie die Insulin-Ausschüttung im Pankreas stimulieren.

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Für das Antidiabetikum Sitagliptin läuft derzeit bei der FDA das Verfahren für die US-Zulassung, wie bei einer Veranstaltung von MSD beim Internistenkongreß in Wiesbaden berichtet worden ist. Der Konzern erwartet bis Mitte Oktober dieses Jahres eine Entscheidung.

Seine gute Wirksamkeit und gute Verträglichkeit hat Sitagliptin mittlerweile in klinischen Studien schon mehrfach unter Beweis gestellt. Etwa in einer Studie, in der 552 Patienten mit Typ-2-Diabetes zwölf Wochen lang behandelt wurden. Es gab mehrere Studiengruppen mit unterschiedlichen Sitagliptin-Dosierungen. Eine Gruppe erhielt Placebo.

Wichtige Ergebnisse der Studie hat in Wiesbaden Dr. Harvey L. Katzeff aus Rahway im US-Staat Jersey vorgestellt. Katzeff ist dort im Bereich Klinische Forschung bei Merck & Co. (in Deutschland: MSD) tätig.

Danach war der HbA1c-Wert, der zu Studienbeginn im Mittel bei 7,7 Prozent lag, unter täglich einmal 100 mg Sitagliptin um durchschnittlich 0,56 Prozentpunkte stärker gesunken als mit Placebo. Je höher dabei der HbA1c-Ausgangswert gewesen sei, umso deutlich sei auch der Therapieeffekt ausgefallen, so Katzeff. Studienteilnehmer mit einem initialen HbA1c über 8,5 Prozent etwa hätten nach zwölf Wochen einen um 1,13 Prozentpunkte niedrigeren HbA1C gehabt.

Für den US-Forscher ist Sitagliptin auch deshalb ein vielversprechendes neues Antidiabetikum, da bei seiner Anwendung Hypoglykämien nicht signifikant häufiger auftreten als mit Placebo. Sitagliptin erhöht nämlich nur dann die Inkretinspiegel und in der Folge die Insulinspiegel, wenn die Hormone nach der Aufnahme von Kohlenhydraten überhaupt erst ausgeschüttet werden - dadurch werden Hypoglykämien im Prinzip vermieden.

Außerdem führt es nicht zu einer Gewichtszunahme und wird gut vertragen. Tierexperimentelle Studien deuten ferner darauf hin, daß Sitagliptin über seine Effekte auf Inkretine die Zahl der Betazellen im Pankreas und ihre Funktionstüchtigkeit erhöhen könnte.



STICHWORT

Inkretine

Inkretine sind im Darm gebildete Hormone. Steigt nach dem Essen der Blutzucker-Spiegel, werden Inkretine freigesetzt. Sie stimulieren die Insulin-Produktion im Pankreas und sie hemmen die Glukose-Produktion in der Leber.

Bei Typ-2-Diabetes wird bei gleichem Stimulus weniger Inkretin freigesetzt als bei Gesunden. Das kann durch Sitagliptin-Therapie kompensiert werden, denn Sitagliptin hemmt das Enzym Dipeptidyl-Peptidase 4 (DPP-4), das Inkretine abbaut. Sitagliptin wird deshalb als DPP-4-Hemmstoff bezeichnet.

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