Kommentar zum PSA-Test

Nichts tun ist keine Option

Die PSA-basierte Prostatakrebs-Früherkennung bleibt eine Gratwanderung zwischen potenziellem Nutzen und potenziellem Schaden.

Von Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht: 29.01.2020, 17:45 Uhr

Es ist für Außenstehende nur schwer zu begreifen: Auf Grundlage exakt derselben Daten – und inzwischen liegen Erkenntnisse und Analysen aus wirklich großen Studien vor – kommen Experten unterschiedlicher Couleur zu verschiedenen Aussagen in Bezug auf ein PSA-basiertes Prostatakrebsscreening.

Nur wer willens und in der Lage ist, tief in die Methodik dieser Studien einzusteigen, Stärken und Schwächen einzuschätzen, kann sich dazu eine eigene Meinung bilden. Tatsache ist: Einen besseren Tumormarker als den PSA-Test gibt es derzeit nicht. Richtig ist aber auch: Die PSA-basierte Prostatakrebs-Früherkennung bleibt eine Gratwanderung zwischen potenziellem Nutzen und potenziellem Schaden. Die einen betonen eher dies, die anderen das.

60.000 Neuerkrankungen und etwa 15.000 Sterbefälle pro Jahr: Ist das bewusste Nichtansprechen dieses Themas bei Männern über 45 Jahre, die in ihrer Mehrheit eh schon Vorsorgemuffel sind, vor diesem Hintergrund wirklich das Richtige?

Ja, sagt die DEGAM (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin), die sich an der S3-Leitlinie „Prostatakarzinom“ der DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie) beteiligt hat, aber Sondervoten geltend gemacht und eine eigene Praxisempfehlung herausgegeben hat.

Nein, sagt die DGU und verweist darauf, dass Patienten mit Prostatakarzinom nur im organbegrenzten Stadium kurativ behandelt werden können. Es sei ein Fehler, nur die Gesamtmortalität zu betrachten, es gehe auch um Lebensqualität.

Auch eine Frage des Blickwinkels

Lebensqualität der Erkrankten? Lebensqualität der Gesunden? Primum non nocere lautet ein uralter ärztlicher Handlungsgrundsatz. Was allerdings der größere Schaden ist, bleibt umstritten und ist wohl auch eine Frage des Blickwinkels. Der hippokratische Grundsatz geht weiter mit: „...secundum cavere, tertium sanare“ – zweitens vorsichtig sein, drittens heilen.

Zu sagen: „Die gesundheitsbewussten Männer können das doch selbst entscheiden“, ist wenig glücklich. So verschiebt man zwar die Last der Verantwortung, aber das Problem ist man damit noch lange nicht los. Es wäre daher wünschenswert, wenn sich Skeptiker und Befürworter des PSA-basierten Screenings auf gemeinsame Empfehlungen einigen könnten, bis es etwas Besseres gibt.

Der Wert des PSA-Tests kann nur zusammen mit der Qualität der Folgeuntersuchungen und der Therapien betrachtet werden.

Setzen sich lokale Behandlungsmethoden durch?

Im Moment laufen die Bemühungen der Urologen dahin, die Gruppe der Männer, die gescreent werden müssen, weiter einzugrenzen. Dazu wird es voraussichtlich in diesem Jahr neue Erkenntnisse geben. Hinzu kommen nichtinvasive Untersuchungsmethoden wie die MRT, wenngleich auch künftig Therapieentscheidungen wohl kaum ohne vorherige Biopsien denkbar sind.

Ob sich lokale Behandlungsmethoden durchsetzen werden, steht noch nicht fest, denn sie sind nicht ideal und machen teils den Untersucher „blind“ für die weitere Entwicklung verbliebener Tumorherde.

Andererseits zu glauben, dass Männer mit lokal begrenzten Tumoren, und seien sie noch so klein, sich jahrelang aktiv beobachten lassen, ist illusorisch. Wer bösartige Zellen in seinem Körper hat, möchte die im Allgemeinen auch loswerden.

Schreiben Sie dem Autor: med@springer.com

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