Direkt zum Inhaltsbereich

Der Standpunkt

Rheumakinder werden Leute

Am heutigen Weltrheumatag (12. Oktober) bekommen die rund 20.000 rheumakranken Kinder und Jugendlichen in Deutschland endlich mal wieder Aufmerksamkeit. Sie werden sonst kaum wahrgenommen, beklagt Robert Bublak. Er findet: Nicht nur das muss sich ändern.

Veröffentlicht:

Der Autor ist Medizin-Redakteur von Springer Medizin. Schreiben Sie ihm: robert.bublak@ springer.com

Wer einer Minderheit angehört, hat es oft schwer. Wer sich selbst kein Gehör verschaffen kann, ebenfalls. Doppelt schwer hat es also, wer einer Gruppe angehört, die klein ist und keine Stimme hat wie etwa Kinder, die an chronisch entzündlichen rheumatischen Krankheiten leiden. Sie könnten viel davon erzählen, was das bedeutet. Es fragt sie nur meist keiner.

Mehr Aufmerksamkeit für die rund 20.000 rheumakranken Kinder und Jugendlichen in Deutschland fordert daher zu Recht die Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga, Professor Erika Gromnica-Ihle, am Weltrheumatag.

Zusammen mit den Betroffenen, deren Eltern und Experten aus der Kinderrheumatologie hat die Liga einen Aktionsplan erarbeitet. Er soll am 18. Oktober vorgestellt werden und Wege beschreiben, wie sich die Situation von Kindern und Jugendlichen mit Rheuma verbessern, auf denen sich vor allem der Übergang von der pädiatrischen in die Erwachsenenversorgung - die Transition - weniger holprig gestalten ließe.

Zeit dafür wäre es längst. Bereits im Jahre 2009 hat der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen sein Sondergutachten "Koordination und Integration" vorgelegt. Transition war darin ein wichtiges Thema. Als Beispiel für eine Erkrankung, wo es daran hapert, nannten die Gutachter die juvenile rheumatoide Arthritis.

Drei Jahre später hapert es noch immer. Dabei ist das Problem nicht geringer geworden. Wie in vielen Studien nachgewiesen, leiden mindestens die Hälfte der betroffenen Kinder auch als Erwachsene noch an einer aktiven Erkrankung (Niewerth M, Minden K. arthritis + rheuma 2011; 31: 265-269).

Dennoch gelingt es bei einem Drittel der jungen Rheumatiker nicht, einen gleitenden Wechsel in die Erwachsenenmedizin zu organisieren, allen Initiativen von Rheumatologen zum Trotz.

Gesetzgeber und Selbstverwaltung sind hier aufgefordert, Strukturen zu schaffen, die diesen Wechsel erleichtern. Doch noch scheinen jene, die sich dafür engagieren wollen, in der Minderheit zu sein. Und Minderheiten haben es nun einmal schwer.

Lesen Sie dazu auch: Rheumakranke Kinder brauchen Hilfe in der Schule

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sonderbericht

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel
Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Abb. 1: Veränderung gegenüber dem Ausgangswert im WOMAC-Gesamtscore (a) und im VAS-Schmerz (b) nach zwei Monaten und im weiteren Verlauf

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Osteoarthrose

Aktuelle Evidenz zur Wirksamkeit der intraartikulären Hyaluronsäure

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Recordati Pharma GmbH, Ulm
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Dissoziation

Umgang mit Trauma und PTBS: Was kann die Hausarztpraxis leisten?

Lesetipps
Eine Frau geht Walken im Park. Man sieht nur ihre Beine.

© Robert Kneschke / AdobeStock

Cochrane-Update

Körperliches Training hilft wohl doch kaum bei Hüftarthrose

Arzt mit einem Modell des männlichen Harntrakts in der Hand spricht mit einem Patienten.

© Peakstock / stock.adobe.com

Künstliche Intelligenz

Bei urologischen Problemen: Fragen Sie Chatbot „Urobert“

Die Wissenschaftler arbeiten mit der Annahme, dass die Zellen nach dem „Auftauen“ ihre normalen physiologischen Prozesse wieder aufnehmen.

© Tomorrow.bio

Start-up

Kryokonservierung: Der Traum vom ewigen Leben