Venen

Thrombophlebitis ist nicht harmlos

Patienten mit einer Thrombophlebitis haben häufig auch eine tiefe Venenthrombose oder eine Lungenembolie.

Veröffentlicht: 07.07.2017, 10:55 Uhr

"Thrombophlebitiden sind keineswegs ein so harmloses Krankheitsbild, wir wir lange dachten", warnte Professor Edelgard Lindhoff-Last beim Praxis Update Allgemeinmedizin 2017.

Einer Metaanalyse zufolge besteht zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bei etwa 18 Prozent der Patienten auch eine – meistens asymptomatische – tiefe Venenthrombose und bei sieben Prozent eine Lungenembolie. "Patienten mit längerstreckigen Phlebitiden müssen deswegen immer zum Gefäßultraschall überwiesen werden", betonte die Ärztin aus Frankfurt am Main. Bei Patienten mit einer Lokalisation in der Vena saphena magna ist die angiologische Abklärung zwingend, weil die Gefahr einer Lungenembolie besteht.

In den meisten Fällen entstehen Thrombophlebitiden auf Basis einer Varikosis. Die primären Formen sind laut Lindhoff-Last vor allem bei älteren Patienten "hochverdächtig" auf ein Malignom. "Eine primäre Thrombophlebitis, aber auch eine ausgeprägte Varikophlebitis bei einem über 60-Jährigen, insbesondere bei einem Raucher, ist eine Indikation zum Tumorscreening", machte die Angiologin beim Praxis Update klar. Bei jungen Patienten müsse als Ursache auch eine Thrombophilie in Betracht gezogen werden. Ein erhöhtes Thrombophlebitis-Risiko haben darüber hinaus auch Frauen sowie Menschen mit Übergewicht oder positiver Familienanamnese für venöse Thromboembolien.

Die Therapie hänge, so Lindhoff-Last, von Ausdehnung und Lage der Thrombophlebitis ab. Bei Thromben ab einer Länge von 5 cm wird eine Antikoagulation empfohlen.

Einzig zugelassener Wirkstoff ist der Faktor-Xa-Hemmer Fondaparinux. Eine vergleichbare Wirksamkeit wurde in einer Studie mit Rivaroxaban erzielt (Lancet Haematol 2017; 4: e105–e113).

Liegt der Thrombus weniger als 3 cm von der Mündung ins tiefe Venensystem entfernt, wird wie bei einer Venenthrombose antikoaguliert. In allen anderen Fällen genügen lokale Maßnahmen wie Kühlung, Kompression und NSAR. (bs)

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