Lungenembolie

Welche Antikoagulation für wen?

Nicht nur beim Vorhofflimmern, sondern auch bei der venösen Thromboembolie (VTE) haben Ärzte in Sachen Antikoagulation die Qual der Wahl. Eine risikoadaptierte Herangehensweise wird den Patienten am ehesten gerecht.

Veröffentlicht:

BERLIN. Wegen seiner guten Steuerbarkeit ist unfraktioniertes Heparin (UFH) für Professor Hanno Riess von der Charité Berlin bei kreislaufinstabilen Patienten mit Lungenembolie in der Initialtherapie nach wie vor gesetzt.

"Erst wenn wir die Patienten stabilisiert haben, was meist nach einer Woche der Fall ist, gehen wir zu einer oralen Behandlung über", sagte Riess bei einer Veranstaltung gefäßmedizinischer Fachgesellschaften zum 1. Welt-Thrombose-Tag am 13. Oktober.

In Frage kämen dann nach patientenindividueller Abwägung sowohl Vitamin K-Antagonisten (VKA) als auch die neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK) Apixaban, Rivaroxaban und Dabigatran.

Bei kreislaufstabilen Patienten mit Lungenembolie und intermediär-hohem Risiko könne alternativ zu UFH auch ein niedermolekulares Heparin (NMH) in der Initialtherapie eingesetzt werden, so der Leiter internistische Onkologie an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie/Onkologie.

Das entscheidende Kriterium: rechtsventrikuläre Dysfunktion

Bei diesen stabilen Patienten kann bereits etwas früher, nach zwei bis drei Tagen, mit der überlappenden Gabe von VKA begonnen werden oder alternativ der Wechsel auf ein NOAK erfolgen.

Das entscheidende Kriterium ist dabei die rechtsventrikuläre Dysfunktion. Hat sie sich zurückgebildet, steht einer oralen Therapie nichts mehr im Wege.

Bei Patienten mit einer Lungenembolie mit niedrigem oder intermediär-niedrigem Risiko sowie bei Patienten mit einer akuten tiefen Venenthrombose im stationären oder auch im ambulanten Bereich ist die Situation anders. Hier hat UFH in den letzten Jahren seinen Stellenwert komplett eingebüßt.

Der Arzt habe in dieser recht häufigen Situation prinzipiell zwei Optionen, so Riess. Er kann mit einem NMH beginnen und nach etwa einer Woche auf die überlappende VKA-Therapie oder auf ein NOAK umsteigen. Studiendaten zu NOAK gibt es für diese Therapiesequenz vor allem für Dabigatran.

Die zweite Variante ist eine "single oral drug"-Strategie, also ein direkter Einstieg mit einem NOAK ohne vorherige NMH-Therapie. Dieser Ansatz wurde erfolgreich in Studien mit Apixaban und Rivaroxaban untersucht.

S3-Leitlinie wird derzeit überarbeitet

"Leitlinienfest" sind die Empfehlungen bisher noch nicht. Die deutsche S3-Leitlinie zur tiefen Venenthrombose und Lungenembolie von 2010 wird derzeit überarbeitet, um künftig auch die NOAK zu berücksichtigen.

 Im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" zeigte sich Riess überzeugt davon, dass sich die genannten Empfehlungen so oder ähnlich in der aktualisierten Leitlinie wiederfinden werden. (gvg)

Lesen Sie dazu auch: Thrombose: Die unterschätzte Gefahr

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

An Embolie und Dissektion denken!

Junge Frauen mit Herzinfarkt: Oft ist es keine Atherosklerose

Das könnte Sie auch interessieren
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© DG FotoStock / shutterstock

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Herz mit aufgemalter Spritze neben Arm

© Ratana21 / shutterstock

Studie im Fokus

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Prävention durch Influenzaimpfung?

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© skynesher | E+ | Geytty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Medizinischer Infusions-Tropf mit buntem Hintergrund

© Trsakaoe / stock.adobe.com

Hochdosis-Therapie

Vitamin C bei Infektionen und Long-COVID

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Maximale Vitamin-C-Blutspiegel nach oraler (blau) und parenteraler (orange) Tagesdosis-Gabe.

© Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH

Vitamin-C-Infusion

Parenterale Gabe erzielt hohe Plasmakonzentrationen an Vitamin C

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Abb. 1: Risikoreduktion durch Bempedoinsäure gegenüber Placebo in der CLEAR-Outcomes-Studie für den primären 4-Komponenten-Endpunkt (A) und den sekundären 3-Komponenten-Endpunkt (B) stratifiziert nach Diabetes-Status

© Springer Medizin Verlag

Diabetes mellitus

Bempedoinsäure: Benefit für Hochrisiko-Kollektive

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

KV Thüringen

Akutpraxis in Gera: Praxismodell gegen den Ärztemangel

Systematisches Review

Kortikosteroide bei schwerer Pneumonie wahrscheinlich nützlich

Lesetipps
Nie wieder spritzen? Small Molecules wie Orforglipron (C48H48F2N10O5) haben viele Vorteile gegenüber herkömmlichen Inkretinmimetika, etwa orale Einnahme, leichtere Lagerung und niedrigere Kosten.

© Kassandra / stock.adobe.com

Innovative Diabetestherapie

Nicht-peptidische GLP-1-Rezeptoragonisten am Start

Eine Frau fässt sich mit den Händen an die Brust

© Art_Photo / stock.adobe.com

Unterschiede der Geschlechter

Herzinfarkte und Ischämie bei Frauen: Was ist wirklich anders?