Direkt zum Inhaltsbereich

Zelltherapie scheint Herzen nach Infarkt zu schützen

FRANKFURT/MAIN (mut). Bringt die Therapie mit autologen Knochenmarkzellen nach Herzinfarkt etwas oder nicht? Darüber wurde in den vergangenen Jahren kontrovers diskutiert. Nach jetzt veröffentlichten Zweijahresdaten der groß angelegten REPAIR-AMI-Studie scheint das Verfahren erneuten Infarkten vorzubeugen und das Leben der Patienten zu verlängern.

Veröffentlicht:
Herzinfarkt. © S. Kaulitzki / fotolia.com

Herzinfarkt. © S. Kaulitzki / fotolia.com

© S. Kaulitzki / fotolia.com

Die jetzt im Fachjournal "Circulation" publizierten Daten einer Arbeitsgruppe um Professor Andreas Zeiher von der Uni Frankfurt/Main dürften die Diskussion um die Therapie mit Progenitorzellen wieder etwas anheizen, schließlich ist die REPAIR-AMI-Studie weltweit die erste große Studie, in der doppelblind und prospektiv die Wirkung von Progenitorzellen auf die Pumpfunktion des Herzens untersucht worden ist. Progenitorzellen sind wie Stammzellen in der Lage, unterschiedliche Zelltypen und Gewebearten zu bilden, sie sind jedoch schon etwas weiter differenziert als Stammzellen. Ärzte hoffen, mit solchen Zellen geschädigtes Herzgewebe wieder aufzubauen.

An der REPAIR-AMI-Studie haben 204 Patienten mit ST-Hebungs-Infarkt nach erfolgreicher Reperfusion und Stentimplantation teilgenommen. Bei ihnen wurde das Knochenmark punktiert, um daraus mononukleäre Progenitorzellen zu gewinnen. Nach drei bis sechs Tagen erhielten 101 Patienten die gereinigte und aufbereitete Zellsuspension über einen Herzkatheter zurück, 103 bekamen eine Placebo-Infusion. Eine im Jahr 2005 vorgestellte erste Auswertung hatte ergeben, dass vier Monate nach der Therapie die kardiale Pumpfunktion bei den Patienten mit Zelltherapie deutlich besser war als in der Placebo-Gruppe, besonders deutlich war die Verbesserung bei schwer geschädigten Herzen.

Noch etwas aussagekräftiger sind die jetzt vorgestellten Daten: Nach zwei Jahren hatte keiner der Patienten mit Zelltherapie einen erneuten Herzinfarkt bekommen, jedoch sieben Patienten in der Placebogruppe - trotz der geringen Anzahl war der Unterschied signifikant. Auch waren in der Zelltherapiegruppe weniger gestorben (3 versus 8), es musste seltener revaskularisiert werden (25 versus 38 Patienten), und es mussten weniger Patienten wegen einer Herzinsuffizienz ins Krankenhaus (1 versus 5).

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Neue Hoffnung auf Zelltherapie

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

© Springer Medizin Verlag

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Tests für die Diagnostik

Akuter Kreuzschmerz: Tipps für ein pragmatisches Vorgehen in der Praxis

Lesetipps
Ins Fitnessstudie statt zum Geburtstag der Oma: Wer eine starke Verpflichtung spürt, Sport zu treiben, könnte eine Muskeldysmorphie haben.

© ME Image / Stock.adobe.com

Krafttraining bis zur Erschöpfung

„Adonis-Komplex“: Was Ärzte beim Verdacht auf Muskeldysmorphie tun können

Ein Hund streckt seine Zunge raus

© gismo2015 / Stock.adobe.com

Haustiere

Kasuistik: Was passieren kann, wenn der Hund die Wunde ableckt