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Pädiater warnen

Den Kinderkliniken geht die Luft aus

Die finanzielle Ausstattung der Kinderkrankenhäuser und -abteilungen reicht nicht mehr aus, um den Nachwuchs angemessen zu versorgen, kritisiert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Raimund SchmidVon Raimund Schmid Veröffentlicht:
Der BVKJ sorgt sich um die finanzielle Ausstattung der Kinderkliniken und mahnt von der Politik „Leitplanken“ an.

Der BVKJ sorgt sich um die finanzielle Ausstattung der Kinderkliniken und mahnt von der Politik „Leitplanken“ an.

© Ole Spata/dpa

Köln. Für Eltern, deren Kinder stationär behandelt werden müssen, wird es immer schwieriger, eine geeignete Kinderklinik vor Ort zu finden. Nach Angaben von Professor Wolfgang Kölfen, Vizepräsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), sind in den vergangenen 25 Jahren rund 25 Prozent der Kinderkliniken oder -abteilungen an Krankenhäusern geschlossen worden.

Wie Kölfen zum Auftakt des 48. Herbst-Seminar-Kongresses des BVKJ in Köln erläuterte, habe sich dieser Prozess in den vergangenen zehn Jahren, in denen allein 20 Prozent der Kinderabteilungen dicht gemacht wurden, sogar noch beschleunigt.

Die Gründe seien leicht auszumachen. Die derzeitige finanzielle Ausstattung reiche nicht mehr aus, um die über eine Million Kinder pro Jahr in Kinderkliniken adäquat behandeln zu können. Die Versorgung kranker Kinder erfordere besonders viel Zeit, Personal sowie spezielle Materialien.

Behandlungen werden komplexer und somit teurer

Das System der Fallpauschalen (DRG), mit dem die Leistungen in den Kinderkliniken pro Fall einheitlich vergütet werden, sehe einen solchen zusätzlichen Aufwand nicht vor. Erschwerend komme aus finanzieller Sicht der eigentlich erfreuliche Umstand hinzu, dass heute immer mehr Kinder auch mit schweren Krebs- oder Stoffwechselkrankheiten oder extreme „Frühchen“ erfolgreich behandelt werden könnten.

Von der Politik forderte Kölfen „klare Leitplanken“. Entweder durch eine Besserstellung der Pädiatrie innerhalb des Fallpauschalensystems, wobei dann die Kinderkliniken einen Zuschlag auf ihre Vergütung erhalten müssten. Oder mit einer Abkehr von der DRG, wie dies zuletzt auch die SPD-Führungsspitze gefordert hat. Um die Kinderkliniken „auskömmlich“ zu finanzieren, müsse dann aber ein Mix von neuen Grundpauschalen geschaffen werden.

Von Vorsorgepauschalen profitieren wohl nur wenige Kliniken

Das geplante Vorhaben der Bundesregierung, im neuen Versorgungsverbesserungsgesetz Vorsorgepauschalen für unterfinanzierte Abteilungen auch an kleineren Kinderkliniken in den Regionen vorzusehen, sei nicht als eine solche Leitplanke anzusehen, sagte Kölfen der „Ärzte Zeitung“.

Die allermeisten Kinderkliniken würden seiner Einschätzung nach davon nicht profitieren können. Offenbar werden nur etwa 30 kleinere Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin vor allem auf dem Land von diesen zusätzlichen Mitteln profitieren.

Zum ersten Mal findet der noch bis Samstag dauernde Herbst-Seminar-Kongress, der bisher 47 Mal im hessischen Bad Orb veranstaltet wurde, in Köln statt. Und zwar als Hybridveranstaltung, an der vor Ort maximal 100 Pädiater teilnehmen dürfen. Alle anderen Teilnehmer müssen online über Livestream zugeschaltet werden.

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