Gesundheitsimmobilien

NRW-Ärztehaus geht an einen Fonds – und wird erweitert

Nur sechs Monate nach Inbetriebnahme wurde das Lüdenscheider Pergamon-Zentrum an einen Investor verkauft. Mit dem Erlös will der ehemalige Besitzer ein zweites MVZ aufbauen und die Versorgung in der Kreisstadt sicherstellen.

Von Kathrin HandschuhKathrin Handschuh Veröffentlicht:
Das Pergamon-Zentrum in Lüdenscheid: Kurz nach Eröffnung meldete ein Fonds Interesse an – und verspricht langfristigen Bestand.

Das Pergamon-Zentrum in Lüdenscheid: Kurz nach Eröffnung meldete ein Fonds Interesse an – und verspricht langfristigen Bestand.

© Aengevelt Immobilien

Lüdenscheid. Im Mai war das Pergamon-Zentrum im nordrhein-westfälischen Lüdenscheid an den Start gegangen: Sechs Ärzte praktizieren hier auf 2100 Quadratmetern Fläche, von der Allgemeinmedizin über die Physiotherapie bis hin zum Dentallabor. Zum Zentrum gehören auch 26 Tiefgaragen- und neun Außenstellplätze. Im Erdgeschoss des Ärztehauses gibt es eine Bäckerei, alle Einheiten sind langfristig vermietet.

Eigentümer ist der Allgemeinmediziner Dr. Dimitrios Panteloglou – besser gesagt war, denn er hat das neue Gebäude an der Bahnhofsallee nun an den vor einem Jahr aufgelegten Gesundheitsfonds „Values Health Invest“ verkauft. Panteloglou, der gemeinsam mit zwei Kollegen seine Hausarztpraxis in dem Gebäude betreibt, hat große Pläne: Der Verkaufserlös soll in ein MVZ fließen, dem Pergamon-Zentrum II.

Förderung für Demenzkranke

Wenn es nach ihm geht, soll das Partner-Ärztehaus auf einem benachbarten Grundstück entstehen. Auf insgesamt rund 6000 Quadratmetern plant er den Aufbau einer weiteren Hausarztpraxis mit sechs Ärzten. Dabei soll es unterschiedliche Flächen geben, beispielsweise getrennt nach Verordnung und Labor. Denn besonders in Pandemiezeiten sei es ja wichtig, dass sich die Patienten mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen nicht mischten.

Vorgesehen sind im zweiten Pergamon-Zentrum auch die Bereiche Kardiologie, Physiotherapie und Gastroenterologie. Außerdem gehören neben einem Ernährungszentrum auch eine spezielle Fördereinrichtung für Demenzerkrankte zum Konzept. Diese Patienten könnten von Synergieeffekten profitieren, in dem die dortigen Hausärzte regelmäßig zur Visite vorbeischauten. Um die örtlichen Kliniken zu entlasten, ist auch eine „unterschwellige Versorgungseinheit“ – eine Art Tagesklinik angedacht, wo Patienten beispielsweise intravenös betreut werden könnten. Einen Mehrwert verspricht er sich auch bei der Behandlung von Patienten mit seltenen Erkrankungen, für die er im Moment erweiterte Sprechstunden anbietet. „Wir könnten dann mit Kollegen gemeinsam an einem Tisch sitzen und schwierige Kasuistiken besprechen“, so seine Wunschvorstellung.

Seine Pläne will Panteloglou im Dezember der Stadtverwaltung präsentieren. Die hat eigentlich vorgesehen, auf dem Grundstück ein Parkhaus einzurichten. Doch der Mediziner steht zu seinem Konzept: „ Es eignet sich auch für andere Gemeinden. Das muss nicht alles von mir realisiert werden, ich kann auch gerne beratend zur Seite stehen“, sagt er. Mit dem Aufbau des Pergamon-Zentrums und der geplanten Erweiterung will der Allgemeinmediziner die hausärztliche Versorgung in der Kreisstadt sicherstellen. Denn die Lage ist nicht besonders rosig: „39 Prozent der Ärzte sind hier über 65 Jahre alt. Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Jahren sechs Hausärzte aus Altersgründen ihre Praxis aufgeben“, sagt er. 2015 hatte er sich in Lüdenscheid niedergelassen, schon damals hatte er großen Zulauf, weil immer mehr Praxisinhaber aufgaben und keine Nachfolger fanden.

Mit dem Pergamon-Zentrum will er jungen, motivierten Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit geben, Familie und Beruf zu verbinden. „Medizinische Versorgungszentren sind die Zukunft, kaum jemand möchte noch als Einzelkämpfer unterwegs sein.“ Der Values Fonds ist aus seiner Sicht ein idealer Partner, denn der Investor wolle den Standort langfristig sichern, betont Panteloglou. „Ich bin wirklich glücklich, wie sie alles entwickelt hat“, betont der Mediziner.

Objekt war gar nicht auf dem Markt

Vermittelt wurde das Geschäft vom Düsseldorfer Immobilienberater Aengevelt. Dort spricht man von „gezielter Akquise“, denn das Objekt sei nicht auf dem Markt gewesen. Stattdessen sei das Maklerhaus mit einer Kaufanfrage aktiv auf Dimitrios Panteloglou zugegangen. Die Qualität des Neubaus, die zentrale Lage und machten das Zentrum für den Fonds attraktiv. Über den Kaufpreis haben alle Parteien Stillschweigen vereinbart.

Values Health Invest investiert bundesweit in Ärztehäuser und MVZ, in erster Linie abseits der großen Metropolen. Denn hier gebe es in der Regel kaum vergleichbare Konkurrenzobjekte, heißt es in einer Aengevelt-Mitteilung. Sechs Gesundheitsimmobilien hat der Fonds mittlerweile erworben, dazu gehören ein Ärztehaus in der Innenstadt von Jena mit rund 9000 Quadratmetern Mietfläche, ein medizinischer Komplex auf dem Hofmanns-Campus in Bad Salzuflen sowie weitere Objekte in Essen und Delmenhorst. Insgesamt hat der Fonds bereits 120 Millionen Euro investiert.

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