Magen-Darminfekte

Karottensuppe nach Moro könnte auch EHEC lahmlegen

MÜNCHEN/KÖSSEN (wst). Die Karottensuppe nach Moro könnte auch EHEC-Patienten helfen - davon ist Professor Josef Peter Guggenbichler überzeugt, seit 2009 Emeritus der Universitätskinderklinik Erlangen.

Veröffentlicht: 08.06.2011, 16:30 Uhr
Karottensuppe nach Moro könnte auch EHEC lahmlegen

Mit Karotten gegen EHEC: Die Moro'schen Karottensuppe könnte EHEC-Patienten helfen, glaubt Professor Josef Peter Guggenbichler.

© shutterstock

Das Rezept hat der Ordinarius der Heidelberger Kinderklinik Professor Ernst Moro 1908 nach Hausmitteln kreiert. Damit sanken bei Kindern die Sterbe- und Komplikationsraten infolge Durchfallerkrankungen drastisch.

Die Zubereitung gehörte lange zum Standard auf pädiatrischen Stationen, verlor dann aber durch Antibiotika und Antidiarrhoika an Bedeutung. Googelt man heute nach Moro'scher Karottensuppe, wird sie vor allem in Abhandlungen und Foren der Tiermedizin gewürdigt.

Nach Angaben von Guggenbichler, der sich seit Jahren für die antibiotikasparende Renaissance der Suppe einsetzt, ist die Wirkung durch Studien und In-vitro-Tests belegt.

Beim Kochen entstehen Oligogalakturonide

Eine Arbeitsgruppe um Guggenbichler und den Wiener Pharmakologen Professor Johann Jurenitsch hat den Wirkmechanismus aufgeklärt: Beim Kochen entstehen saure Oligogalakturonide, die den Rezeptoren des Darmepithels ähneln und an pathogene Darmkeime andocken.

Sie fungieren wie Analoga, die die Rezeptoren der Keime blockieren und so deren Adhäsion an die Darmwand verhindern. Folglich werden die Erreger ausgeschieden, so Guggenbichler auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

Auch EHEC-Patienten könnten profitieren, wenn sie die Moro'sche Karottensuppe gleich beim Beginn blutiger Durchfälle mehrmals täglich über einige Tage einnehmen würden.

Und so wird die Suppe zubereitet: 500 g geschälte Karotten in einem Liter Wasser eine Stunde kochen, dann durch ein Sieb drücken oder im Mixer pürieren, mit gekochtem Wasser wieder auf einen Liter auffüllen und drei Gramm Kochsalz zugeben.

Lesen Sie alle Berichte und Hintergründe in unserem Special zur EHEC-Welle.

Mehr zum Thema

Rifamycin SV

Neue Option bei Reisediarrhoe

Kommentare
Dr. Joachim Malinowski

Super, endlich kommt doch wieder altbewährtes Wissen ins Netz.

Die Pharmaindustrie hat über Jahrzehnte gute Arbeit geleistet, aber wohl auch dafür gesorgt, dass altbewährtes Wissen verloren ging bzw. abgewertet wurde. Nun wirken viele klassische Medikamente nicht mehr. Und da heißt es dann schnell ein Lösung zu finden.

Insofern hoffe ich, dass immer mehr Menschen den Mut finden, ihr altbewährtes Wissen (z.B. als "Mediapedia") ins Netz zu stellen, vielleicht auch sogar googelmäßig vernünftig zu strukturieren, falls es das nicht schon gibt.

Wer kann mir dazu Infos geben?


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
TI-Anschluss mit gefährlichem Datenfluss

Praxis-EDV

TI-Anschluss mit gefährlichem Datenfluss

Planlos gegen Diabetes

Prävention

Planlos gegen Diabetes

Wer darf was mit Krankendaten?

Nightingale, DVG & Co

Wer darf was mit Krankendaten?

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen