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Übergewicht - das schadet Leber, Pankreas und Darm

Die Folgen unseres heutigen Lebensstils werden maßgeblich den medizinischen Alltag der Zukunft bestimmen. Ein Beispiel ist Adipositas: Menschen mit einem Body Mass Index (BMI) von 30 kg / m

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oder mehr bekommen häufiger als Schlanke nichtalkoholische Fettlebererkrankungen.

Von Thomas Meißner

Wer zu viele Burger verzehrt, riskiert Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts.

Wer zu viele Burger verzehrt, riskiert Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts.

© Foto: Marin Conic www.fotolia.de

Nicht nur die Fettlebererkrankungen, sondern auch die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD), Gallensteine und Karzinome kommen bei Dicken häufiger vor - und das sind nur die gastroenterologischen Folgen.

Deshalb müsse die interdisziplinäre Adipositastherapie endlich als wichtige Basismaßnahme etabliert werden, fordern Dr. Andrea Schneider und Dr. Michael Momma von der Medizinischen Hochschule Hannover in der Zeitschrift "Der Gastroenterologe" (5, 2008, 391).

Man hat die Zahlen inzwischen oft genug gehört: 20 bis 25 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind adipös, die Mehrzahl der Bevölkerung übergewichtig, Tendenz steigend. Was das aus medizinischer Sicht bedeutet, listen Schneider und Momma in ihrem Beitrag auf:

  • 70 Prozent der adipösen und übergewichtigen Menschen haben eine nichtalkoholische Fettleber. 18 Prozent dieser Menschen bekommen eine nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH) - zum Vergleich: bei Normalgewichtigen sind es knapp drei Prozent. Die Prävalenz der NASH-Zirrhose und des damit verbundenen hepatozellulären Karzinoms wird deshalb wahrscheinlich steigen.
  • Adipositas geht mit einem bis zu zweifach erhöhten Risiko für eine symptomatische GERD und für die erosive Refluxösophagitis einher. Auch das Risiko für ein Adenokarzinom des Ösophagus steigt um mehr als das Zweifache im Vergleich zu Normalgewichtigen.
  • Kolorektale Karzinome treten bei Adipositas ebenfalls gehäuft auf. Dabei ist offenbar von Bedeutung, in welchem Lebensabschnitt die Adipositas entsteht und wie rasch die Gewichtszunahme erfolgt. So ist für eine BMI-Zunahme von 10   kg/m 2 oder mehr in der dritten Lebensdekade bei Frauen eine 2,4-fache Risikosteigerung berechnet worden. Es wäre konsequent, würde man im klinischen Alltag Adipositas zur Risikostratifizierung in der Tumorvorsorge sowie beim Umgang mit Patienten mit Kolonadenomen aufnehmen, schreiben die Gastroenterologen aus Hannover.
  • Die Cholelithiasis ist bei adipösen Frauen sieben Mal häufiger als bei normalgewichtigen. Als Ursachen dafür gelten ein verändert zusammengesetztes Gallensekret und die beeinträchtigte Gallenblasenkontraktilität. Auch für das Gallenblasenkarzinom ist die Adipositas ein bedeutsames Risiko, selbst wenn vorher keine Gallensteine da waren.

Aber auch vor einer sehr raschen Gewichtsabnahme wird gewarnt, weil dies das Auftreten von Gallensteinen begünstigt. Dem kann man jedoch therapeutisch entgegenwirken.

  • Gewicht und Fettgehalt des Pankreas sind im Vergleich zu Normalgewichtigen erhöht. Das Pendant zur nichtalkoholischen Fettleberhepatitis heißt womöglich "nichtalkoholische Fettpankreaserkrankung". Dafür gebe es jedenfalls erste Hinweise, so Schneider und Momma. "Sicher ist, dass eine akute Pankreatitis bei Patienten mit Adipositas häufiger mit einem schweren Verlauf, mit mehr lokalen Komplikationen (Nekrosen und Infektionen) und mit mehr Organversagen sowie metabolischen Entgleisungen einhergeht", schreiben sie. Auch das Risiko für ein Pankreaskarzinom sei bei einem BMI von 30 kg/m 2 oder mehr um das 1,2- bis Dreifache erhöht.

Die pathogenetischen Zusammenhänge zwischen Adipositas und den Komorbiditäten sind oft nur ansatzweise bekannt. Außer der Insulinresistenz und vermehrtem oxidativem Stress kommen Adipokinen wie Leptin und proinflammatorischen Zytokinen eine maßgebliche Bedeutung zu. Aus praktischer Sicht ist nach Ansicht von Schneider und Momme zu bedenken, dass angesichts der weit verbreiteten Adipositas selbst statistisch nur gering erhöhte Tumorrisiken von erheblicher Bedeutung sind. Zusätzlich verschlechtere sich bei Adipositas die Prognose schwerer Erkrankungen.

Adipositas geht auch mit einem erhöhten Tumorrisiko einher.

Ob die interdisziplinäre Adipositastherapie die Komorbiditätsrisiken entscheidend senken kann, ist freilich bislang noch nicht nachgewiesen. Doch gilt es, einen fahrenden Zug aufzuhalten, einen Zug, in dem nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche mit Burgern, Fritten und Chips-Tüten sitzen. Im Vergleich zu den 1980-er und 1990-er Jahren sind heute doppelt soviel Kinder und Jugendliche adipös, nämlich etwa sechs Prozent, übergewichtig sind 15 Prozent.

Schneider und Momma bezeichnen dies als "dramatisch für die Volksgesundheit" und verweisen zudem auf die sozioökonomischen Bürden. In den nächsten Jahrzehnten werde erheblich öfter als heute mit Adipositas-assoziierten Erkrankungen und Komplikationen zu rechnen sein. Deshalb, so fordern sie, müssten Diagnostik- und Therapiekonzepte die Adipositas möglichst schon präventiv einbeziehen.

Adipositas

Nach WHO-Definition ist die Adipositas eine chronische Erkrankung. Als adipös gilt ein Mensch mit einem Body Mass Index (BMI) von 30 kg / m

oder mehr. Aus pathogenetischen Gründen wird heute jedoch dem Fettverteilungsmuster größere Bedeutung beigemessen als dem BMI, besonders der viszeralen Akkumulation von Körperfett. Als einfaches Maß für das Vorliegen einer Adipositas gilt

ein Taillenumfang von mehr als

88 cm bei Frauen und von mehr

als 102 cm bei Männern. (ner)

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