Corona-Splitter der KW 51

Erneut Anaphylaxie nach COVID-19-Impfung

Zwei weitere Fälle allergischer Reaktionen sind bei COVID-19-Impfungen aufgetreten, berichtet eine Klinik in Alaska. Außerdem gibt es Kritik am häufigen Ausschluss Schwangerer von Therapiestudien und neue Daten zur Infektionsrate bei Krebskranken.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek und Denis NößlerDenis Nößler Veröffentlicht:
Keine Lust aufs Essen? Übelkeit und Geschmacksverlust deuten bei Kindern eher auf COVID-19 als Atemwegssymptome.

Geschwollen Augen und Hautausschlag: Nach einer Impfung kann dies ein Hinweis auf eine sich anbahnende Anaphylaxie sein.

© soleg / stock.adobe.com

Update vom 18. Dezember

Zwei weitere Fälle allergischer Reaktionen sind bei Impfungen mit der COVID-19-Vakzine von BioNTech und Pfizer aufgetreten. Das berichtet das Bartlett Regional Hospital im Großraum Juneau im US-Staat Alaska, nachdem vergangene Woche zwei Fälle in UK bekannt geworden waren. Eine Mitarbeiterin der Klinik in Alaska habe zehn Minuten nach Impfung Anaphylaxie-Symptome bekommen (Herzklopfen, Atemnot, Hautausschlag, Rötungen). Sie wurde umgehend mit Epinephrin und Benadryl (Diphenhydramin) behandelt. Wegen weiterer Symptome folgten die stationäre Aufnahme und eine Epinephrin-Infusion. Als diese gestoppt wurde, kamen die Anaphylaxie-Symptome zurück, berichtet die behandelnde Notärztin Dr. Lindy Jones in der „New York Times“. Die Patientin sei auf die Intensivstation verlegt worden, habe weitere Infusionen bekommen und sei am nächsten Morgen entlassen worden. Es gab keinen Hinweis auf allergische Reaktionen oder Impfreaktionen in der Vorgeschichte. Ein weiterer Mitarbeiter reagierte zehn Minuten nach Impfung mit zugeschwollenen Augen, Benommenheit und Kratzen im Hals. Er bekam ebenfalls Epinephrin und Benadryl. Binnen einer Stunde habe sich sein Zustand normalisiert. Fazit: Bei Impfungen sollte man auf mögliche Anaphylaxie-Maßnahmen vorbereitet sein, so die Klinik.

Schwangere waren von 75 Prozent aller Therapie-Studien zu COVID-19 ausgeschlossen, kritisieren Forscher der WHO und des US-Centers for Disease Control. Sie haben sich internationale „clinical trial registries“ angeschaut und 155 entsprechende Studien aus dem April und 722 aus dem Juli analysiert. Der Fokus lag dabei auf Studien zu Remdesivir, Lopinavir-Ritonavir, Interferon beta, Kortikosteroiden, Chloroquin und Hydroxychloroquin sowie Ivermectin und Hochdosis-Vitaminen. Der Ausschluss Schwangerer von drei Viertel dieser Studien sei nicht gut gerechtfertigt gewesen, so die Forscher. Für viele der Arzneimittel gebe es keine oder nur geringe Sicherheitsbedenken für die Anwendung in der Schwangerschaft. Fazit: Der Zugang Schwangerer zu evidenzbasierten potenziell lebensrettenden Behandlungen bei COVID-19 wird durch den Ausschluss der Frauen in einem nicht gerechtfertigten Maße begrenzt (The Lancet Global Health 2020; online 16. Dezember).

Krebstherapien gehen nur mit einer gering erhöhten Rate an SARS-CoV-2-Infektionen einher. Das hat eine Analyse von 59.989 Krebspatienten mit onkologischen Therapien (adjuvant oder gegen Metastasen) aus der Zeit zwischen Januar und Mai in Italien ergeben. 406 von ihnen erkrankten an COVID-19 (0,68 Prozent), berichten die Autoren der Studie. Die betroffenen Patienten waren im Median 68 Jahre alt, etwa zwei Drittel von ihnen waren mit Chemotherapien behandelt worden. Die Infektionsrate sei niedrig, und Krebstherapien sollten wegen ihres Nutzens deshalb während der Pandemie nicht verzögert werden, betonen die Onkologen. Allerdings: Die Patienten mit antineoplastischen Therapien hatten im Vergleich zur Normalbevölkerung eine etwas höhere Infektionsrate. Dies könne an dem im Vergleich fortgeschrittenen Alter liegen oder auch an einem höheren Ansteckungsrisiko durch häufige Klinikbesuche (JAMA Oncology 2020; online 17. Dezember).

Update vom 16. Dezember

Die ersten zehn Tage nach Entlassung sind für COVID-19-Rekovaleszenten wohl besonders risikoreich: Im Vergleich mit Patienten, die wegen Pneumonie oder Herzproblemen im selben Krankenhaus und im selben Zeitraum behandelt wurden, lag ihr Risiko für eine erneute Einweisung oder Tod in einer Studie um 40 bis 60 Prozent höher. Nach 60 Tagen hatte sich das Verhältnis dann allerdings umgekehrt: Das Risiko von COVID-19-Rekonvaleszenten für erneute Hospitalisierung oder Tod lag jetzt insgesamt niedriger als das von Patienten, die wegen Pneumonie oder Herzproblemen hospitalisiert worden waren. Insgesamt mussten innerhalb von 60 Tagen nach Entlassung 19,9 Prozent der COVID-19-Rekonvaleszenten erneut in die Klinik eingeliefert werden, 9,1 Prozent von ihnen starben. Häufigster Grund für die erneute Einweisung war ein Wiederaufflammen von COVID-19 (30,2 Prozent), gefolgt von Sepsis (8,5 Prozent), Pneumonie (3,1 Prozent) und Herzproblemen (3,1 Prozent). Für ihre Studie hatte sich das Team um Dr. John Donnelly von der University of Michigan in Ann Arbor Daten von rund 2200 COVID-19-Patienten angeschaut, die in 132 Kliniken behandelt und zwischen März und Juli entlassen worden waren (JAMA Network 2020; online 14. Dezember).

Im Südosten Großbritanniens ist eine neue Variante von SARS-CoV-2 aufgetreten. Die Virusvariante ist Berichten zufolge bei mehr als 1000 Infizierten in relativ kurzer Zeit nachgewiesen worden, britische Behörden hätten die Weltgesundheitsorganisation WHO bereits informiert. Offenbar steht die Variante mit Superspreader-Ereignissen in Zusammenhang, ob sie aber tatsächlich infektiöser ist oder schwerere COVID-19-Symptome auslöst, wird nun in Studien überprüft. Dass eine neue Virusvariante entdeckt wird, ist bekanntlich nichts Ungewöhnliches, das Genom von Viren mutiert permanent. SARS-CoV-2 mutiert dabei im Vergleich mit beispielsweise dem Influenzavirus zwar relativ langsam, dennoch gibt es mittlerweile natürlich einige Varianten. Bei der in Großbritannien aufgetretenen Virusvariante ist die Mutation offenbar in der Gensequenz aufgetreten, die für das Spike-Protein kodiert.

Update vom 15. Dezember

Für einen Antigen-Schnelltest kann ein Selbstabstrich aus der vorderen Nase eine verlässliche Alternative zu einem professionell vorgenommenen Abstrich aus dem Mund- und Nasen-Rachen-Raum sein, wenn die Person zuvor Instruktionen von medizinischem Fachpersonal erhalten hat. Das berichten Forscher der Charité Berlin und der Uni Heidelberg. Teilnehmer einer Studie erhielten vom medizinischen Personal zunächst Instruktionen für den Selbstabstrich. Danach sollten sie einen Tupfer in zwei bis drei Zentimeter Tiefe für 15 Sekunden an den Innenwänden ihrer Nase entlangführen. Anschließend entnahm das Personal einen tiefen Nasenabstrich. Beide Proben wurden auf einen Antigen-Schnelltest aufgetragen und die Ergebnisse miteinander verglichen. Zusätzlich nahm das Personal einen kombinierten Abstrich aus dem Mund- und Nasen-Rachen-Raum, um per PCR eine Diagnose auf eine SARS-CoV-2-Infektion stellen zu können. Das Ergebnis: 39 der 289 Teilnehmer (13,5 Prozent) wurden per PCR positiv getestet. Bei 31 von ihnen (79,5 Prozent) schlug auch der Antigen-Schnelltest an, wenn die Probe professionell tief aus der Nase entnommen wurde. Der Selbstabstrich aus der vorderen Nase lieferte bei 29 von den Infizierten (74,4 Prozent) das korrekte Ergebnis. „Dass Antigen-Schnelltests nicht so sensitiv sind wie die PCR, hatten wir erwartet“, wird Letztautorin Privatdozentin Dr. Claudia Denkinger in einer Mitteilung der Charité zitiert. „Bei genauerem Hinsehen hatten die Antigentests insbesondere in solchen Fällen eine Infektion übersehen, in denen die Patienten nur eine geringe Viruslast hatten.“ Betrachteten die Forscher dagegen nur die Erkrankten mit hoher Viruslast, schlugen die Antigentests bei tiefen Nasenabstrichen jedes Mal an, bei den Selbstabstrichen bei knapp 96 Prozent (Eur Resp J 2020; online 10. Dezember).

Bei Säuglingen im ersten Lebensjahr verläuft eine SARS-CoV-2-Infektion in den meisten Fällen wohl mild. Um genauere Erkenntnisse zum Verlauf von COVID-19 in dieser Altersgruppe zu erhalten, hat ein Team des „Centre Hospitalier Universitaire Sainte-Justine“ (CHU-SJ) in Montreal sich die Daten der 1165 Säuglinge im ersten Lebensjahr angeschaut, die zwischen Februar und Mai 2020 im CHU-SJ wegen Verdachts auf eine SARS-CoV-2-Infektion aufgenommen worden waren. 25 Kinder (zwei Prozent) wurden positiv getestet, Acht von ihnen (32 Prozent) wurden stationär aufgenommen – allerdings wohl eher aus Vorsicht: „In 89,9 Prozent der Fälle verlief die Erkrankung mild“, schreiben die Studienautoren um Dr. Luc Panetta. Am häufigsten waren gastrointestinale Symptome (bei 85 Prozent), gefolgt von Fieber ≥38°C (bei 81 Prozent). Die klinischen Symptome unterschieden sich dabei nicht in der Altersgruppe der Kinder im Alter unter drei Monate und der Gruppe der drei bis zwölf Monate alten Kinder. 26 Prozent der Kinder hatten Komorbiditäten (JAMA Netw Open; online 14. Dezember).

Update vom 14. Dezember

Die sekundäre Befallsrate von SARS-CoV-2 bei Haushaltskontakten liegt im Vergleich zu der von SARS-CoV-1 und MERS-CoV wohl deutlich höher, und zwar bei 16,6 Prozent versus 7,5 beziehungsweise 4,7 Prozent. Damit waren und sind auch künftig Übertragungen im häuslichen Umfeld häufige Infektionswege, wenn Infizierte sich zu Hause isolieren, betonen die Autoren der Metaanalyse um Dr. Zachary Madewell von der University of Florida in Gainesville. Die Forscher hatten 54 Studien mit insgesamt über 77.000 Teilnehmern ausgewertet. Weitere Ergebnisse: Symptomatische COVID-19-Indexfälle waren mit einer höheren sekundären Befallsrate („secondary attack rate“) im häuslichen Umfeld assoziiert als asymptomatische Indexfälle (18,0 versus 0,7 Prozent). Außerdem ist der Metaanalyse zufolge die sekundäre Befallsrate bei Kontakt zu Tochter oder Sohn höher als bei Kontakt zu anderen Familienmitgliedern (37,8 versus 17,8 Prozent) (JAMA Netw Open; online 14. Dezember).

Der JAK-Hemmer Baricitinib plus Remdesivir verkürzte in einer Studie die Dauer der Hospitalisierung um einen Tag gegenüber Remdesivir allein (sieben versus acht Tage). Noch besser schnitt die Kombination bei der Subgruppe der COVID-19-Patienten ab, die nicht-invasiv beatmet wurden oder eine High-Flow-Sauerstofftherapie erhielten. Hier verkürzte sich die Dauer des Klinikaufenthalts um acht Tage (10 versus 18 Tage). Die Studie, in der die Daten von 1033 Patienten analysiert wurden, wurde vom US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) gefördert. Die Wissenschaftler um Dr. Andre C. Kalil vom University of Nebraska Medical Center stellten zudem positive Ergebnisse im Bezug auf die Mortalitätsrate nach 28 Tagen fest (sekundärer Endpunkt): Diese lag in der mit Baricitinib plus Remdesivir behandelten Gruppe bei 5,1 Prozent, in der mit Remdesivir allein behandelten Gruppe dagegen bei 7,8 Prozent. Baricitinib wird zur Therapie bei Rheumatoider Arthritis eingesetzt (NEJM 2020; online 11. Dezember).

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage nun wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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