Berufspolitik

Holländische Mischung: Prämie und nur ein Versicherungsmarkt

Veröffentlicht: 22.12.2009, 05:00 Uhr

Was Deutschland noch in Regierungskommission vertagt, haben die Niederländer schon 2006 getan: Eine grundlegende Gesundheitsreform, die - aus deutschem Blickwinkel -  auf eine Mischform von Bürgerversicherung und Gesundheitsprämie hinausläuft. Mit Erfolg: "Das zentrale Ziel, einen einheitlichen Krankenversicherungsmarkt zu schaffen, ist erreicht worden", berichtet Susanne Agasi, Referentin für Unternehmensentwicklung bei der Techniker Kasse. Denn die vormals gesetzlichen Krankenkassen sind 2006 privatisiert worden. Sich vom zweigeteilten Markt zu verabschieden, fiel den Holländern nicht schwer. Denn die gesetzliche Versicherung war 1941 von den deutschen Besatzern eingeführt worden.

2010 zahlen die Versicherten eine durchschnittliche einkommensunabhängige Prämie von 1085 Euro. Dabei gilt Versicherungspflicht. Hinzu kommt ein einkommensabhängiger Beitrag von etwa sieben Prozent des Einkommens, der bei Arbeitnehmern vom Arbeitgeber gezahlt wird. Angesagt ist strenge Parität, berichtet Agasi: "Der einkommensabhängige Beitrag muss 50 Prozent der Einnahmen der Basisversicherung ausmachen." Dass die Reformdebatte weniger ideologisch aufgeladen ist als in Deutschland, hat auch mit der Struktur der privaten Krankenversicherer zu tun. Denn diese arbeiten wie Schadensversicherer, nämlich nach dem Umlageverfahren. "Es gibt also keine Altersrückstellungen", so Agasi.

Die Reform hat viele kleine Versicherer bei den Branchengrößen unterschlüpfen lassen. Inzwischen haben drei Versicherungsgruppen einen Marktanteil von 75 Prozent. Die Höhe der Prämie ist der zentrale Wettbewerbsparameter, der viele Niederländer seit 2006 hat ihre Versicherungen wechseln lassen.

Doch ohne Sozialausgleich kommen auch die Nachbarn nicht aus: Versicherte mit geringem Einkommen haben Anspruch auf einen Steuerzuschuss. "Das Finanzamt zahlt zur Zeit gut fünf Millionen Zuschläge aus", berichtet Agasi - bei 16 Millionen Einwohnern.

Insgesamt fahren die Nachbarn aber mit ihrer Reformlösung gut. In Deutschland ist die Debatte oft verengt auf die Frage: Pro oder contra Prämie. "Die Niederländer haben gezeigt, dass auch strukturelle Vorgaben für mehr Wettbewerb nötig sind - nämlich einheitliche Rahmenbedingungen für alle Akteure." Fazit: Die Prämie allein macht noch keine Reform. (fst)

Mehr zum Thema

Tagesaktuelle RKI-Zahlen

So stark ist das Corona-Infektionsgeschehen in Ihrem Kreis

EU-Erklärung

Warum die Freiheit der Forschung jetzt an Bonn hängt

Anti-Corona-Demo

Drosten-Plakat soll Nachspiel für AfD-Arzt haben

Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Abstrich der Dritte: Die neue Corona-Testverordnung ermöglicht den Einsatz von Antigen-Schnelltests. Sie können am Point-of-Care, wie etwa an der Münchner Theresienwiese, zu schnelleren Ergebnissen führen.

Besonderheiten und Tücken

Darauf ist bei Corona-Antigen-Schnelltests zu achten

Digitaloffensive in der Medizin. Neue Pläne von Jens Spahn.

Drittes Digitalisierungsgesetz

Hat die eGK schon wieder ausgedient?

Bei Typ-2-Diabetikern war der Konsum von täglich mindestens vier Tassen grünem Tee plus einer Tasse Kaffee mit einem um 58 Prozent verringertem Mortalitätsrisiko verbunden.

Assoziationsstudie

Typ-2-Diabetes: Länger leben durch Kaffee und Tee?