Berufspolitik

Kommt ein Fiasko für den Osten?

Mit gemischten Gefühlen sehen die neuen Bundesländer die Ankündigungen der Bundesregierung, regionale Gegebenheiten bei der Gestaltung der Honorare stärker berücksichtigen zu wollen.

Von Angela Misslbeck und Rebecca Beerheide Veröffentlicht: 22.12.2009, 05:00 Uhr

Große Sorgen breiten vielen Chefs der KVen in Ostdeutschland die Regionalisierungspläne der schwarz-gelben Bundesregierung. Für die Honorare in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen könnte eine Veränderung der derzeitigen Systematik gravierende Auswirkungen haben - warnen die KV-Chefs.

Während der Koalitionsverhandlungen im Oktober in Berlin richteten sie bereits einen Appell an CDU und FDP, den Gesundheitsfonds nicht abzuwickeln. Als "kontraproduktiv" bezeichneten sie diese Pläne. Gerade der Morbi-RSA sei eine Voraussetzung für einheitliche Versorgungsstandards, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

Tatsächlich bleibt der Koalitionsvertrag an der Stelle im Vagen. Die KV Brandenburg (KVBB) rechnet derzeit mit drei verschiedenen Szenarien. Begrüßen würde sie es, wenn die KVen wieder die alleinige Hoheit über die Honorarverteilung erhalten würden und die Regelungen für ihre Region auch ohne die Krankenkassen festlegen könnten. In diesem Rahmen könnten sie auch Maßnahmen zur Steuerung der Versorgung treffen. Die jetzt vorgesehene Umverteilung von "angeblich überversorgten" in unterversorgte Regionen lehnt die KVBB ab. "Für Anreize muss es zusätzliches Geld geben", sagte KVBB-Sprecher Ralf Herre.

Ebenfalls positiv bewertet die KVBB Szenario zwei: Die regional unterschiedliche Morbidität der Patienten wird bei der bundesweiten Verteilung stärker berücksichtigt. "Davon würde der Osten mit Sicherheit profitieren", so Herre.

Als "Fiasko für den Osten" bewertet er jedoch Szenario drei, das vor allem von den Bundesländern im Süden und Südwesten, Bayern und Baden-Württemberg, angestrebt wird: Die Beitragsgelder der Versicherten werden regionalisiert. Das Motto dahinter: Länder, die mehr einzahlen, erhalten auch Geld mehr aus dem Fonds. Die KVBB hat dazu ein Beispiel berechnet: Schon wenn nur die 0,9 Prozent des jetzt von den Arbeitnehmern allein zu tragenden Beitragsanteils in dem Land bleiben, in dem sie hereinkommen, bedeutet das laut KVBB in Brandenburg einen Absolutverlust an GKV-Geldern für die ambulante Medizin von zehn bis elf Millionen Euro pro Jahr.

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